Ich bin genervt. Negative Gefühle akzeptieren lernen.

Wir kennen das alle. Egal wie gut es läuft im Leben, wie wir durch die Tage segeln – es gibt auch diese schlechten Tage. Zach nennt man die in Österreich. Zäh wie Kaugummi. Wir laufen mit einer guten Portion Missmut durch die Gegend. Grant nennt man die in Österreich und irgendwie scheint Österreich die besseren Worte für sowas zu haben.

Früher nannte man mich oft launisch. Das lag daran, dass ich von jetzt auf gleich von Sonnenschein auf Regen wechseln konnte. Und keiner wusste wieso. Manchmal ich selbst nicht. Das nervte die anderen und ich bekam zu verstehen: Das nervt. Du nervst. Deine Launen kotzen uns an. Und während ich das verstehe, so sehe ich auch, dass ich da so nicht einfach rauskommen konnte. Weil ich mich hinter der Laune vergrub, das Gefühl hatte damit anzuecken, was mich noch grantiger machte. Heute habe ich dafür eine bessere Strategie.

Ich lasse es raus. Aber anders. Ich grantel nicht die anderen an (ich sag ja, die Österreicher!, was für Ausdrücke). Ich versuche einfach nur zu benennen, was ist. Meist beginnt das mit der Annahme, dass ich frustriert bin. Ja, ganz klar sage ich „Ich bin frustriert.“ Und dann beginnt schon meist ein Schwall. „Es nervt mich so, dass…“ Ich versuche dabei ganz in der Situation zu bleiben, denn sonst tendiere ich dazu rundumzuschlagen und alles mögliche, was mich sonst noch nerven könnte im Leben, aufzusagen. Darum geht es aber nicht.

Worum geht es dann?

  • Darum herauszufinden: Was genau ist jetzt im Moment mit mir los?
  • Anzunehmen, dass das jetzt so ist und ich das so fühle. Wut, Ärger, Frust, Neid, Traurigkeit… was auch immer.
  • Herauszufinden, was der Grund dafür ist.
  • Hinzuspüren, was das sowohl seelisch als auch körperlich mit mir macht.
  • Zu sehen (und zu akzeptieren) was ich im Moment tun (oder nicht tun) kann.
  • Evtl. Wege zu finden, wie ich auch hinkünftig damit umgehen kann.

Es geht auch nicht darum, dass ich den anderen den Grant an den Kopf schmettere. Wichtig ist, dass ich dabei ganz bei mir bleibe. Von mir rede. Ich bin wütend. Ich ärgere mich. Ich fühle mich einsam. Die anderen können mit unseren Emotionen viel besser umgehen, wenn sie überhaupt wissen, welche das sind. Und wenn sie wissen, dass sie sich nicht auf sie beziehen (zumindest nicht immer, manchmal womöglich schon, aber auch dann ist es wichtig bei uns zu bleiben, in der Ich-Form).

Psychologen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben herausgefunden, dass die, die einen Wert in ihren unangenehmen Emotionen sehen, wenig er unter körperlichen oder psychischen Auswirkungen leiden. Sie nehmen an, dass das Akzeptieren dieser Gefühle dazu führt, dass sie weniger intensiv auftreten und deshalb weniger belastend sind. (Quelle: Psychologie heute compact, Heft 47, 2016)

Und genau das ist es auch, was ich immer wieder erfahre, wenn ich, anstatt mich in meinem Grant zu suhlen, ihn ausspreche (auch für mich allein) und wirklich wütend und schimpfend durch die Wohnung gehe (am besten beim Aufräumen oder beim Wäsche aufhängen, wo man auch körperlich aktiv ist). Er ist dann ganz da, ich spüre ihn ganz stark und alle Emotionen, die da mitkommen, aber ich kann ihn dann auch schneller lassen und akzeptieren: Aha, das ist es, so fühlt es sich an und mehr kann ich im Moment nicht tun.

Meine Strategie ist, dass ich dann etwas suche oder finde, was ich tun kann, sei es auch nur eine noch so kleine Tätigkeit, von der ich weiß, dass sie mir jetzt im Moment helfen würde, dass ich mich auch nur minimal besser fühle. Das kann ein Kaffee sein, eine weggeworfene Mülltüte, die ich mit aller Wucht in die Tonne werfen kann (und allen innerlichen Ballast hinterher), es kann ein Powernap auf dem Sofa sein, genüssliche 10Minuten Sinnlossurfen im Internet – was auch immer gerade gut tut.

Oft nämlich tragen wir diesen Grant unausgesprochen mit uns herum, schauen aber nie genau hin, er verstärkt sich, wir tun Dinge nur mit halbem Herz, weil die andere Hälfte voll Grant ist und sind dann über die Ergebnisse unzufrieden. Was zu noch mehr Frust und Ärger führt. Ein mühsamer Kreislauf.

Negative Emotionen brauchen ihren Raum genau so wie die positiven. Je kompakter und bewusster, umso besser. Denn dann können wir sie auch schneller wieder loslassen. Und je öfter wir in uns hinein hören und uns fragen: „Was ist eigentlich los mit mir?“ umso besser lernen wir uns kennen und umso eher können wir unsere erprobten Strategien anwenden und mit den Emotionen umgehen bzw. an der Situation etwas ändern. Vielleicht ist das auch ein Grund mit dafür, dass das Akzeptieren von negativen Emotionen zu einer weniger starken Ausprägung dieser führt.

Also in diesem Sinne: Was ist los mit Euch? Wie geht’s Euch und warum ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2019 · Theme by 17th Avenue